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28
Sep
2017
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Dankesrede anlässlich der Preisverleihung des Humanitätspreises des Roten Kreuzes am 27.9.2017

Sehr geehrter Hr. Präsident, vorweg vielen herzlichen Dank für Ihre so wertschätzenden Worte.

Werte Ehren- und Festgäste, liebe Mitausgezeichnete!

Ich mag das Wort Menschlichkeit sehr. Es geht von einem wirklich hoffnungsvollen Menschenbild aus. Es glaubt an das Gute, das Tugendhafte in uns Menschen.

Eine Begrifflichkeit die vor allem in der Zeit der Aufklärung geprägt wurde, aber auch schon früher verwendet wurde. Bereits Cicero hat “den rücksichtslosen Mensch, der sich nicht für andere interessiert” als unmenschlich beschrieben. Rücksicht zu nehmen, sich um andere zu sorgen ist also uns Menschen nach dieser Vorstellung zu Eigen. Gleichzeitig aber erleben wir alle im Alltag auch anderes und kennen uns schließlich ja auch selbst am besten. Daher verstehen wir alle nur zu gut auch den Spruch “Wo Menschen sind da menschelt´s”.

Kant hat den Menschen als ein “krummes Holz bezeichnet, aus dem nichts gerades gezimmert werden kann”. Ein Bild, dass Isaiah Berlin, der russisch-britische Philosoph insofern abgewandelt hat, als er eines seiner Bücher “Das krumme Holz der Humanität” genannt hat und dabei von einem ständigen Bedeutungswandel berichtet, was die Menschheit alles so im Lauf der Zeit als richtig geglaubt hat. So ist es sicher angebracht, sich immer wieder mit der Frage auch kritisch auseinander zusetzen, ob das was wir denn grad glauben, auch wirklich menschlich ist.

Wie mein Vater, der mir nicht nur immer ein guter Ratgeber sondern auch mein härtester Kritiker ist, die Einladung für die heutige Veranstaltung mit der Post bekommen hat, hat er mich gefragt, wofür ich diesen Preis denn eigentlich bekomme. Und ich sag Ihnen ganz offen, ich will jetzt nicht um Komplimente fischen, es sind ohnedies selbst für mich heute wirklich genug, aber auch ich finde es ein bisschen unverschämt, dass ich diesen Preis bekomme.
Es ist mir ein Bedürfnis auch zu sagen warum. Ich bin nämlich der Meinung, ich habe einen der besten Jobs die es — jedenfalls für mich — in dieser Republik gibt. Es macht richtig viel Freude eine Arbeit zu haben, bei der man nicht nur einen hohen Gestaltungspielraum hat, sondern, wo man auch den Sinn von dem was man tut, leicht erkennen kann. Das ist bei unserem Thema im AMS bestimmt einfacher, als bei manch anderem Job. Können Sie sich vorstellen, wie schön es ist, jemandem erfolgreich einen Job zu vermitteln? Probieren Sie es mal aus.

Manchmal gelingt auch mir das persönlich. Ich hab im vergangenen Sommer einen unglücklichen Taxifahrer der mich erkannt und um Hilfe gebeten hatte einen neuen Arbeitsplatz vermitteln können. Das war wirklich schön für mich, ich hab mich Tage darüber gefreut. So geht es vielen meiner Kolleginnen und Kollegen immer wieder und daher hat das AMS auch überhaupt keine Probleme gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Die meisten Menschen wollen nämlich gerne etwas arbeiten, das sie für sinnvoll halten. Und wenn ich für das was mir fast täglich Freude bereitet, jetzt auch noch ungeheuer gelobt werde und sogar einen Preis bekomme, dann empfinde ich das schon fast ein bisschen unanständig. Es ist irgendwie vergleichbar mit der Sauerei, dass die die ohnedies gut verdienen, auch noch ununterbrochen bei irgendwelchen Veranstaltungen gratis essen können.

Ich sag auch aufrichtigen Dank für das großzügige Preisgeld. Es hat mir wiederum wirklich Freude gemacht, mir ein Projekt auszusuchen, dem ich diesen Betrag spenden werde. Ich hab mich für das neunerhaus, eine Einrichtung, die sich um Obdachlose in Wien kümmert, entschieden und zwar, weil ich deren Zahnarztpraxis einfach großartig finde. Dort werden Menschen ohne Krankenversicherungsschutz behandelt. Es ist dies etwas, das wir als AMS nicht leisten können, das aber als Ergänzung zu unserer Arbeit wirklich wichtig ist. Es ist nämlich fast unmöglich, jemanden auf einen Job zu vermitteln, der keine Zähne mehr im Mund hat.

Für mich ist heute überhaupt ein ganz besonderer Tag, nicht nur wegen dieser Auszeichnung sondern auch deswegen, weil mich der Verwaltungsrat am Vormittag einstimmig für die kommenden 6 Jahre neuerlich in den AMS Vorstand bestellt hat. Formal muss noch der Sozialminister auch zustimmen, aber das wird schon klappen. Im Vorfeld meiner aktuellen Wieder-Bewerbung hat mich ein guter Freund gefragt, wieso ich mir diese Tätigkeit bei meiner ersten Bestellung, mit doch recht jungen Jahren, ich war damals 32, überhaupt zugetraut habe. Plötzlich Finanz-, Infrastruktur oder Personalvorstand eines doch recht großen Ladens mit aktuell 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sein. Klar hatte ich damals Respekt und habe auch lange regelmäßig “gestrebert” um mich bloß nicht zu blamieren. Aber dass ich mir das damals überhaupt zugetraut habe, hat wohl auch mit dem vielfach einfach zu großen Selbstvertrauen von jungen, gut ausgebildeten Männern zu tun. Es würde uns und wohl auch unserer Gesellschaft bestimmt gut tun, wenn wir Männer ein bisschen von diesem Selbstvertrauen an die Frauen abgeben könnten. Zu oft hab ich erlebt, dass ausgezeichnete und bestimmt qualifizierte Frauen Karriereangebote aus der Überzeugung abgelehnt haben, etwas nicht zu können.

Nach fast 12 Jahren im AMS Vorstand hab ich heute das Gefühl, dass ich mir den Job jetzt ruhigen Gewissens zutrauen kann, aber in einem Punkt ist eine Unsicherheit, ein Innehalten, ein Zweifel über all die Jahre bis heute geblieben. Und vielleicht ist diese Unsicherheit in Wirklichkeit auch die Ursache dafür, dass ich diesen Preis heute verliehen bekomme habe. Und zwar ist das die Frage, die ich mir im Alltag in meiner Arbeit immer wieder stelle, nämlich ob ich überhaupt erkenne was richtig ist, was für die arbeitssuchenden Menschen, die Unternehmen und den Arbeitsmarkt überhaupt das Beste ist. Vor dieser Frage hab ich bis heute wirklichen Respekt.

Wir alle erleben gerade wie im politischen Diskurs unglaublich vereinfacht wird, in dem immer in Schwarz oder Weiß, für oder gegen etwas gedacht wird. Dabei wird oft die schnelle Antwort aufgrund von Wirtshaustischmeinungen gesucht. Solche Antworten sind zwar meist populär, aber einfach zu wenig durchdacht um überhaupt menschlich sein zu können.

Ich bin der festen Überzeugung, was wir vor allem in der Sozialpolitik brauchen ist ein qualifizierter Diskurs, Studien, Evidenz und auch Expertinnen und Expertenwissen und erst dann differenzierende Entscheidungen. Nur so kann verantwortungsvoll gehandelt werden. Was wir auch brauchen sind laute Stimmen für die Vertretung der Schwachen, wie sie das Rote Kreuz oder andere NGOs dankenswerterweise sind. Mein aufrichtiger Dank dafür Ihnen, Hr. Präsident Gerald Schöpfer, Danke Generalsekretär Werner Kerschbaum und dem ganzen Team des Österreichischen Roten Kreuzes.

Zum Schluss möchte ich mich auch bei all jenen Menschen bedanken, die mich prägen und geprägt haben und die mit mir immer wieder wichtige Diskussionen führen. Manche von ihnen sind heute mit mir hergekommen, da sind meine Eltern, meine Frau und unsere Kinder, meine Schwestern und auch Freunde und Kolleginnen. Danke Euch allen dafür.

Menschlich zu sein in einer Führungsposition heißt für mich verantwortungsvoll mit der übertragenen Macht umzugehen.

Dieser Preis wird mir dafür ein besonderer Ansporn sein.
Vielen, lieben Dank.

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