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7
Sep
2020
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Was Kurzarbeit wirklich kann

Natürlich gibt es Leute, die aus Prinzip dagegen sind, einfach dagegen sein wollen, gegen fast alles, was die österreichische Bundesregierung zur Bewältigung der gegenwärtigen Krise propagiert. Und so ist es für mich eigentlich überraschend, dass gegen die Kurzarbeit, dieses derzeit hunderttausendfach praktizierte wirtschaftliche Instrument, kaum negative Äußerungen in der politischen Öffentlichkeit gibt. Doch tatsächlich kann man, wenn man das Prinzip Kurzarbeit verstanden hat und sich deren Zahlen ansieht, derzeit recht wenig rationale Argumente dagegen vorbringen. Das Modell wirkt, anders als seine in der gegenwärtigen Form sehr aufwändige Administration, – nämlich eigentlich recht einfach:

Wer kurzarbeitet, arbeitet weniger lang, also weniger Stunden, manchmal sogar viel weniger als bisher, erhält aber trotzdem 80% bis 90% des ursprünglich vereinbarten normalen Lohns auf sein Konto. Das geht, weil die für den Arbeitgeber entstehenden Mehrkosten – geringere Arbeitsleistung des Mitarbeiters bei fast gleichem Entgelt – während der Krise durch die Arbeitslosenversicherung übernommen werden.

Der Arbeitsgeber, der sich seinen Mitarbeiter eigentlich gar nicht mehr leisten kann, kann das also jetzt trotzdem. Damit verhindert die Kurzarbeit dessen Arbeitslosigkeit und bietet dem Arbeitgeber die Chance, sofort sensibel auf die oft wechselnden Auftragssituationen in Krisenzeiten zu reagieren, ohne sein Personal entlassen zu müssen, qualifiziertes, bei ihm eingeschultes, an die Zusammenarbeit im Team gewohntes Personal, das nach Beginn der nächsten Konjunktur nicht oder nur sehr mühsam wieder zu finden wäre.

Kurzarbeit „sichert“ Arbeitsplätze

Doch wie viele Arbeitsplätze sind es eigentlich, die diese Kurzarbeit seit Beginn der Krise im März in Österreich sichern konnte?
In diesem Zusammenhang werden in der Öffentlichkeit zu Recht meist sehr große Zahlen genannt: 1,3 Millionen zur Kurzarbeit angemeldete Beschäftigte waren es im April und Mai dieses Jahres, deren Arbeitsplatz durch Kurzarbeit „gesichert“ wurde. Und diese Aussage „gesichert“ ist zutreffend, weil sich die Arbeitsgeber bei der Gewährung der Kurzarbeit verpflichteten, den Personalstand aller jeweils zur Kurzarbeit Gemeldeten zu erhalten – meist sogar als ausdrücklich vereinbarte „Behaltefrist“ über den Kurzarbeitszeitraum hinaus.

Kurzarbeit „rettet“ aber auch Arbeitsplätze

Diese zusätzliche Betrachtungsweise bringt zwar bedeutend kleinere Erfolgszahlen hervor, weist aber meines Erachtens auf einen gesamtwirtschaftlich noch viel wesentlicheren Effekt von Kurzarbeit hin. Denn viele dieser Arbeitsplätze wurden durch Kurzarbeit nicht nur „gesichert“, sondern tatsächlich auch „gerettet“.

Ein einfaches Beispiel soll zeigen, wie dies funktioniert: Ein Betrieb mit 4 Mitarbeitern verliert durch die Krise 50% seiner Aufträge, könnte also 2 Mitarbeiter kündigen und mit nur 2 Mitarbeitern alle gegenwärtigen Aufträge erfüllen. Oder er kann alle 4 Mitarbeiter während der Krise zur 50%-Kurzarbeit anmelden und damit 2 Arbeitsplätze „retten“.
Bei der Beurteilung dessen, was das wirtschaftspolitische Instrument Kurzarbeit in Österreich bisher geleistet hat, gegenwärtig leistet und weiterhin leisten soll, ist also auch das Verhältnis der Ausfallsstunden zu den Normalleistungsstunden von großer Bedeutung, weil diese Betrachtungsweise die tatsächlich „am Leben gebliebenen und damit richtiggehend geretteten“ Arbeitsplätze aufzeigt. Und mit Sicherheit war es nicht zuletzt dieser so wichtige Aspekt der Kurzarbeit, der die österreichische Bundesregierung und das Parlament dankenswerterweise dazu veranlassen, auch weiterhin so enorme Summen aus dem Budget für dieses wirtschaftspolitische Instrument bereitzustellen.

Die folgende Tabelle zeigt nun, wie viele Ausfallsstunden für wie viele Beschäftigte in den vergangenen Monaten tatsächlich abgerechnet wurden und schließt daraus auf die so durch Kurzarbeit „geretteten“ Arbeitsplätze in Österreich.

Quelle: AMS DWH

Ergänzend festzuhalten ist, dass, – wie auch schon in früheren Jahren beobachtet, – selbst in dieser so tiefen Krise weit weniger Ausfallsstunden, als im Rahmen der Kurzarbeit zur Sicherheit beantragt, dann auch tatsächlich in Anspruch genommen wurden. Weiters traten auch nicht alle Angemeldeten ihre Kurzarbeit auch tatsächlich an und manche Betriebe nützten die Vereinbarung nur kürzer, als sie ursprünglich beantragt worden war. Aber selbst unter diesen Vorbehalten gegenüber der errechneten Zahl der „geretteten Arbeitsplätze“ zeigt sich der zukunftsorientierte und substanzielle Beitrag der Kurzarbeit in den vergangenen Monaten. Und so mag der Satz: „Koste es, was es wolle!“ seinerzeit wohl Manchen erschreckt haben, er hat aber, vereinfacht gesagt, allein im April dieses Jahres vermutlich mehr als eine halbe Million Jobs in Österreich gerettet.

Kurzarbeit ist leider nicht nur wirksam, sondern auch teuer und macht viel Arbeit

Kurzarbeit hilft also nicht nur rasch, sondern ist im Sinne der Fachkräftesicherung auch lange wirksam. Doch so einleuchtend ihre multiple Wirkung auf eine Volkswirtschaft in Krisenzeiten auch ist – Kurzarbeit kostet dem Staat und damit uns allen auch sehr viel Geld. Für mehr als 160.000 Kurzarbeitsanträge seit März, hat das AMS bereits mehr als € 4,5 Mrd ausbezahlt. Da braucht es wohl auch kluge Überlegungen, wie der Ausstieg aus dieser Förderung nach diesem Winter erfolgen soll. Die Dimensionen sprengen jedenfalls schon jetzt alles bisher Dagewesene. 2009, im bisher stärksten Krisenjahr, gab es in ganz Österreich ein paar Hundert derartiger Anträge. Heuer aber waren es dann plötzlich rund 160.000 Fälle, die neben der laufenden Arbeit des AMS sofort und beinahe gleichzeitig zu bearbeiten waren. Aber nicht nur die Bearbeitung der Anträge machte dem AMS sehr viel Arbeit, auch ihre Abrechnungen nahmen uns sehr in Anspruch. Aber bis heute konnten bereits rund 97% aller berechtigten Kurzarbeitfördermittel vom AMS an Betriebe überwiesen werden.

Es ist nur allzu verständlich, dass dieses Arbeitsvolumen nicht in „Normalzeit“ und nicht mit dem „Normalteam“ des AMS zu bewältigen war. Und so halfen viele Kolleginnen und Kollegen von rundum, etwa aus der Buchhaltungsagentur des Bundes, der ÖGK, des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen, des Finanzministeriums sowie von externen Unternehmensberatungen alle mit bei der möglichst raschen Bewältigung der rund 160.000 Anträgen und ihren Abrechnungen. Doch trotz dieses Großeinsatzes so vieler hilfsbereiter und sachkundiger Kolleginnen und Kollegen blieben tausende Überstunden und viele durchgearbeitete Wochenenden für die eigentlichen AMS-Stammmannschaft unvermeidlich. Kein Wunder also, dass jetzt allmählich in der österreichischen Öffentlichkeit und langsam auch in manchen Medien Anerkennung, öffentlicher Dank, aber auch ehrliche Bewunderung für diese Leistung ertönt. Genauso, wie nicht verwunderlich ist, wenn nun Viele – und nicht nur im AMS – nach Maßnahmen und Hilfe rufen, die in Zukunft derart überfordernde, die täglichen Normalaufgaben weitgehend behindernde Stresssituationen für die seit Monaten überlastete AMS-Mannschaft verhindern.

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